Verstärkerservice Deutsche Wurlitzer

geschrieben von - posted by Keller 
Verstärkerservice Deutsche Wurlitzer
12.04.26 14:09
Hallo, ich restauriere eine Lyric E 1963 und kenne mich mit Röhrenverstärker nicht besonders gut aus.
Nach der Reinigung des Verstärkers ist mir ein defektes Bauteil aufgefallen (Foto),
es könnte ein Widerstand oder ein Styroflex-Kondensator sein? Ein kleines graues Röhrchen, innen hohl und steht „150 K“ drauf (wohl 150 Kilo).
Ich habe auf dem Schema (für mein Wissen) leider nichts Eindeutiges gefunden.

Zweitens habe ich schon gehört und gelesen, dass empfohlen wird alle Kondensatoren zu ersetzen, auch die grossen die auf das Gehäuse geschraubt sind… mal konkret, wie weit macht Sinn zu gehen bevor man den Verstärker zum ersten Mal anschliesst? (Röhren wurden schon ersetzt)

Drittens (und Letztes winking smiley), wenn ich dann mal soweit alles zusammenhabe, wäre noch die Sache mit dem BIAS. Ich habe den schon bei moderneren Röhrenverstärker eingestellt aber es wird empfohlen eine Testplatte dafür zu benutzen, da könnte man ja eventuell die Frequenzen auch über ein iPod laufen lassen, da diese Testplatten anscheinend sehr schwer zu kriegen sind aber ich habe bereits das Tonsystem ausgetauscht, hier soll im speziellen das Ganze mit einer Testplatte eingestellt werden. Ich möchte ja nichts unnötig kaputt machen und aus der Sache auch was lehrnen aber dann am liebsten das Richtige :)

Vielen Dank schon Mal



2 mal bearbeitet. Zuletzt am 12.04.26 14:13.


Re: Verstärkerservice Deutsche Wurlitzer
12.04.26 17:46
Hi,vielleicht hilft das ein bisschen weiter.Schöne Grüße aus dem Spessart Michael Gombert

[youtube.com]
Re: Verstärkerservice Deutsche Wurlitzer
12.04.26 18:23
Hallo Keller,

1) Keramik Röhrenkondensator 150pF (C4/C40)

2) Da gehen die Meinungen auseinander. Ich tausche nur defekte C's, äusserlich auffällige und solche die mir aus Erfahrung als problematisch bekannt sind. Wenn der Kondensator im Betrieb macht was er soll (dazu muss man aber die Schaltung verstehen), gibt es eigentlich keinen Grund zu tauschen. Wer nichts davon versteht und sich trotzdem nicht davon abhalten lässt, sollte vor der Inbetriebnahme die Koppelkondensatoren (zwischen Anode der vorigen und Gitter der nächsten Stufe) sowie alle Elkos incl. der Siebelkos für die Anodenspannungen tauschen. Leider werden oft durch die "Kondensatorkur" neue Fehler eingebaut, hier ein paar Beispiele:
- falsche Kapazät/Spannungsfestigkeit
- falsche Polung
- falscher Kondensatortyp
- schlechte Lötstellenen
- falscher Einbauort/ungünstige Leitungsführung/Masse
- fehlende Befestigung grosser C's
- Bezeichnung nicht lesbar
- Draht zu nahe am Bauteil gebogen

Natürlich gibt es auch Fehler die andere Ursachen als defekte Kondensatoren haben, dann landet der Verstäker am Ende doch beim Fachmann und der muss sich u.U. erst mal mit der Beseitigung der "Kurschäden" befassen.

3) Der Verstäker benötigt keine Bias Einstellung. (self bias über R13/R130)
Eine Testplatte benötigt man nur für Messungen die den Tonabnehmer bzw. das Laufwerk mit einschliessen sollen.

Gruss Jürgen
Re: Verstärkerservice Deutsche Wurlitzer
12.04.26 18:42
Hallo,
Röhrchen 150k, suche im Plan mal einen Kondensator mit 150pF.

Alle Kondensatoren auf Verdacht tauschen, hat wenig Sinn. Äußerlich sichtbar beschädigt/ aufgeblähte Teile/ angekohlte natürlich raus. Der Rest ist eigentlich Erfahrung. Es gibt bestimmte Typen, die mit hoher Wahrscheinlichkeit aus der Toleranz sind (oft die dicken Elkos).Dagegen sind bestimmte Typen noch top und sollten drin bleiben, da neue z.T. nicht besser sind - besonders frequenzband- beeinflussende Typen können dabei verschlimmbessert werden.
Wenn du es dir zutraust, prüfen doch erstmal alle statischen Werte wie Spannungen am Netzteil und dann an den Röhren und wichtige angegebene Ströme.

Gruß Jens
Re: Verstärkerservice Deutsche Wurlitzer
13.04.26 14:09
… hat sich mit Jürgen überschnitten, ist aber inhaltlich sehr ähnlichsmiling smiley
Re: Verstärkerservice Deutsche Wurlitzer
13.04.26 18:55
Das sind mal Infos, danke viel Mal! Ich habe einen Fachmann aber der ist immer extrem ausgelastet, ich habe mir
mal die Keramik Röhrenkondensatoren bestellt und ebenfalls die Koppelkondensatoren und die etwas grösseren Elkos. Ich werde mal sicherlich das defekte
Bauteil ersetzen und da nirgends etwas aufgebläht oder verbrannt ist, vor weiterem Ersetzen den Verstärker erstmal testen. Falls ich dann doch etwas weiter ersetze, sind die Originalteile ja noch nicht im Müll und es könnte zurückgebaut werden… schlimmstenfalls werde ich wohl doch meinen Fachmann aufsuchen müssen.

BIAS: auf der Seite sind 2 Potis zum einstellen der beiden Kanäle oder besser, zum Ausbalancieren, zugänglich nur mit Schraubenzieher. Diese meinte ich eigentlich und dachte erst, es wäre der BIAS…mein Fehler. Da ich bei meiner Jukebox den Tonkopf wechseln musste, müsste man da ja dann doch wohl diese Kanäle neu einstellen und da es gem. Handbuch ganz genau auf die Version der Testplatte ankommt ob 4 oder 5 Volt eingestellt werden soll, geht das wohl nicht einfach mit „Gefühl oder Gehör“ denke ich :))
Jedenfalls habt ihr mir schon sehr viel geholfen! Werde mich melden, wenn ich ein Resultat habe.
Re: Verstärkerservice Deutsche Wurlitzer
14.04.26 09:38
Ein Hallo in die Runde
Der oben genannte Wurlitzer Röhrenverstärker wurde mit 4 Röhren( ECL 86) gebaut.Die L Systeme sind die Gegentakt End Pentoden.Die C Systeme für Phasendreher,Vorverstärker.
Wenn man in einen nicht überholten oder wenigstens geprüften Verstärker #neue# Röhren einsetzt ist das schon sehr mutig ,defekte Koppelkondensatoren können die neuen Röhren zerstören.Die alten orginal Röhren werden normalerweise in den 2 Systemmen gemessen und bei positivem Ergebnis beibehalten.
Ohne Fachkenntnisse einen Röhrenverstärker instandsetzen zu wollen und dann noch sagt wenn alle Stricke reißen und es qualmt bring ich ihn zu einem Fachmann der dann mein Gebastel wieder richten soll ist wohl kaum der richtige Weg,von den Gefahren die dadurch entstehen mal ganz abgesehen.
Sorry,aber ich bekomme ständig stark verbastelte Geräte auf den Tisch.Der Aufwand diese wieder in einen einigermaßen ordentlichen Zustand zu bringen ist sehr zeitaufwendig und kostenintensiv.Schuster bleib bei deinen Leisten und lehnt euch ohne Vorkenntnisse nicht so weit aus dem Fenster.
Warte lieber bis dein Fachmann Zeit für dich hat,glaube mir das ist der bessere Weg
Schöne Grüße aus dem Spessart Michael Gombert
Re: Verstärkerservice Deutsche Wurlitzer
14.04.26 09:41
Hallo Keller,
laut Handbuch wird bei halber Maximalspannung (=1/4 Maximalleistung) abgeglichen, das ist noch ziemlich laut und macht Sinn im Aufstellerbetrieb. Der Gleichlauf von einfachen Stereo Laustärkepotis ist besonders im Bereich kleiner Lautstärken nicht besonders gut. Versuch deshalb erst mal (nach Gehör) die beiden Potis so einzustellen, dass sich mit dem Lautstärkepoti ein brauchbarer Einstellbereich für Zimmerlautstärke ergibt in dem beide Kanäle gleich laut sind.
Gruss Jürgen
Re: Verstärkerservice Deutsche Wurlitzer
14.04.26 18:40
So ein Röhren Lyric Verstärker von Wurlitzer ist keine Raketen Wissenschaft wie man so schön sagt . Da gibt es ganz andere Kandidaten die wesentlich Komplexer sind . Man muss bei den Dingern aber ein paar Sachen einfach Wissen und bestimmte Hinweise kennen . So sind heute immer noch Verstärker unterwegs wo sich der alte Becherelko drin befindet vor dem schon Wurlitzer selber gewarnt hat weil Müll . Auch den von Wurlitzer empfohlenen Umbau von einem Elko pro ECL86 Pärchen auf einen pro Röhre nebst Anpassung der Widerstände sollte man auf dem Schirm haben . Kontaktschwierigkeiten bei dem Bass Schalter sind Standard . Ebenso Kontaktprobleme bei den Eingangstrimmern . Auch sind Ausfälle bei den Potis für Lautstärke und Höhen keine Seltenheit aber die immer gleich auszutauschen wäre Unsinn . ECL86 sind ein Thema für sich . Ich persönlich Hasse diese Röhre , das ist einfach ein fieses Teil . Auf dem Röhrenprüfgerät gute Werte und im Verstärker macht das Teil rote Backen .

Das Thema Kondensator Weitwurf hatten wir ja schon oft . Jeder hat da seine eigene Meinung zu . So hab ich auch die meine . Wer da nicht 100% in der Materie ist kann doch einen guten Kondensator von einem schlechten garnicht Unterscheiden . Ich tu mich mit der Pauschal Aussage schwer die sind oft besser als neue . Ich verweise mal auf die Wima Bonbons oder die FT Krücken aus den End 60ern . Ebenso die Eroyt oder Erofol ( ich hau die gern durcheinander ) die einen sind gut , die anderen sind Schrott . Oder die db Kondensatoren in blass gelb , ganz fürchterliches Zeuch . Oder die schwarzen meist 1500V Typen in Canteen AMI Verstärkern bzw. Jupimatic . Wurlitzer und Rock-Ola die Folienkondesatoren mit Farbringkennung , sehr oft der länge nach aufgeplatzt . Gerade bei Rock-Ola 1448 und ähnliche in der Scan Control Box machen diese gern mal nen Kurzschluss . Ich kann da so recht das "die sind oft noch gut" nicht wirklich erkennen . grinning smiley
Re: Verstärkerservice Deutsche Wurlitzer
14.04.26 18:56
Vielen Dank Michael für dein Statement und Jürgen für die Infos zum Kanal-ausbalancieren.
Ja ich bin zugegebenermassen schon etwas in der Zwickmühle… einerseits das Gefühl wohl zukünftig die Finger von Jukeboxen zu lassen und beim restaurieren alter EM Pinballs zu bleiben, andererseits der Trieb und Motivation weiterzukommen, mit dem Risiko bei aller Vorsicht trotzdem ein Fehler zu machen. Stellt sich nur die Frage, ob es nicht der grössere Fehler ist es seinzulassen winking smiley aber genug philosophiert, ich werde mir noch einige Gedanken machen über alles was hier geschrieben wurde und sicher nichts überstürzen. Ich werde mich mal umschauen, ob jemand aus meinem Bekanntenkreis mit etwas mehr Ahnung als ich sie habe existiert und mich in dieser Materie belehren könnte.

Vielen Dank an Alle und liebe Grüsse Tim



1 mal bearbeitet. Zuletzt am 14.04.26 20:45.
Re: Verstärkerservice Deutsche Wurlitzer
14.04.26 19:11
Ah, vielen Dank Swen, hab ich erst übersehen sorry :) ja, sieht eher „schlicht“ aus im Vergleich zu dem was ich schon gesehen habe an Röhrenverstärker…ich denke, vermutlich ist dieses Modell allgemein sicher eine gute Wahl um mit restaurieren alter Jukeboxen zu beginnen.
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